Mit entsprechender
Unterstützung sind nahezu alle Mütter in der Lage zu
stillen. Trotzdem sind in vielen Ländern die Stillraten niedgrig
und künstliche Säuglingsernährung ist zu einem
Teil der Kultur geworden. In diesem Abschnitt sehen wir uns einige
Beispiele der Werbemethoden der Konzerne an, um zu verstehen,
wie die Babynahrungsindustrie das Stillen untergräbt und
künstliche Säuglingsernährung fördert.
Werbung unter
Ausnutzung von Gratislieferungen
Gratislieferungen
waren durch den Internationalen Kodex eingeschränkt und 1994
schließlich in allen Bereichen des Gesundheitswesen von
der Weltgesundheitsversammlung verboten worden (Resolution WHA47.5).
Trotz dieses Verbots nutzen die Firmen weiterhin Gratislieferungen
als einen Weg ihre Produkte zu bewerben. Neugeborenen Saugflaschen
zu verabreichen beeinträchtigt das Stillen. Wenn bei einer
Mutter die Milchproduktion zurückgeht, muß sie das
Produkt der Firma kaufen, nachdem sie das Krankenhaus verlassen
hat und ist nicht länger frei in ihrer Entscheidung. Viele
Jahre hat IBFAN Kampagnenarbeit zu diesem Thema geleistet und
hat die Aufmerksamkeit auf den Werbeeffekt dieser Gratislieferungen
gelenkt.
- Im Juli 1996
wurde berichtet, daß Nestlé Gratis- und rabattierte
Lieferungen von Säunglingsnahrung an Krankenhäuser
in der Provinz Kunming in China abgibt. In einer öffentlichen
Erklärung hieß es bei Save the Children dazu:
"Nestlé
hat Lactogen in sechs Krankenhäusern in Kunming allgemein
verfügbar gemacht, wo sie das Gesundheitspersonal sowohl
mit Gratis- als auch mit rabattierten Lieferungen des Pulvers
angegangen ist. Dieses ist hilfreich, wenn für das Gesundheitspersonal
ein Anreiz geschaffen werden soll, nicht nur, um das Pulver innerhalb
des Krankenhauses einzusetzen, sondern ebenso um den Gebrauch
unter Müttern neugeborener Kinder aktiv zu fördern.
Lactogen wurde in einigen der Krankenhäuser zum Verkauf ausgestellt.
Der Bericht, verfaßt von unserem Stab in China und örtlichem
Gesundheitspersonal, sagt aus, daß ein Anstieg im Verbrauch
von Lactogen zu verzeichnen ist und daß die Stillraten gefallen
sind."
Firmen, die der
Internationalen Vereinigung der Säuglingsnahrungs-
hersteller (IFM) angehören, gelobten schon 1991 auf das Ende
der Gratis- und rabattierten Lieferungen hinzuarbeiten. Doch IBFANs
Monitoring-Bericht Breaking the Rules, Stretching the Rules 1998
zeigt, daß es weiterhin Fälle von Lieferungen gab,
in denen Säuglingsnahrung an die Gesundheitseinrichtungen
in 19 der 31 untersuchten Länder abgegeben wurde. Spenden
von Folge- und Ergänzungsnahrung fanden ebenso statt.
Untersuchungen
der IBFAN-Gruppe in Pakistan, veröffentlicht im Bericht Feeding
Fiasco im März 1998, fanden eine weitverbreitete Verteilung
von kostenlosen Lieferungen. Ein früherer Repräsentant
der Firma beschreibt in dem Bericht, wie Krankenhäuser diese
kostenlosen Lieferungen erhalten und wie Ärzte "durch
die Firmen eingekauft" werden, "wonach der Arzt
oder das Hospital verpflichtet sind die Nahrung dieser Firma zu
empfehlen."
In Norwegen kommt Werbung
für künstliche Säuglingsnahrung nicht vor
und 98% der Mütter verlassen das Krankenhaus stillend.
Nach drei Monaten tun dies immer noch 90%.
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Unangemessene Sprache
Artikel 9.2 des
Internationalen Kodex
fordert, daß Etiketten in einer dem Land, in dem die Produkte
verkauft werden, adäquaten Sprache abgefaßt sind.
IBFANs Überwachung
findet viele Länder, in denen dieses nicht respektiert wird.
Ein äußerst langwieriger Fall betrifft Malawi in Zentralafrika.
Sowohl über Nestlé als auch über Wyeth wurde
in Breaking the Rules 1994 berichtet, daß beide diese Vorschrift
des Kodex in Malawi mißachten. Beide behaupteten Englisch
sei die angemessene Sprache, obwohl Nestlé früher
hatte verlauten lassen: "Infolge von Kostenbegrenzungen
bei geringen Umlaufmengen war es nicht durchführbar die Sprachen
für spezifische Exportmärkte zu ändern."
Als die Situation
einige Jahre später überprüft wurde, erhielt IBFAN
ein Schreiben des malawischen Gesundheitsministeriums, welches
besagte: "Das Ministerium hat mit Nestlé ...Mitte
1994 die Notwendigkeit erörtert Chichewa - [die Landessprache]
- aufzunehmen. ...bislang keine Antwort erhalten ...nichts ist
passiert." Statistiken der Regierung zeigen, daß
von den Frauen, die des Lesens mächtig sind, 43% kein Englisch
lesen konnten, die Sprache auf dem Etikett.
Manchmal
legen die Firmen Faltblätter in anderen Sprachen bei, die
sich unter dem Deckel der Packung finden lassen. Diese können
nur dann gelesen werden, wenn das Produkt schon gekauft wurde.
Sogar Eltern, die sich entschieden haben zu stillen, sollte es
möglich sein die Warnungen auf einem Muttermilchersatz zu
verstehen, damit ihre Wahl nicht untergraben wird.
"humanitäre
Hilfe" als Vehikel für die Schaffung neuer Märkte
In Situationen
der Not- und Krisenhilfe ist es von außerordentlicher Bedeutung,
daß Babies gestillt werden, wenn dieses möglich ist.
Künstliche Ernährung unter diesen Bedingungen ist schwierig
und gefährlich und kann erhöhte Säuglingssterberaten
zur Folge haben. Die Grundausstattung, die für künstliche
Ernährung benötigt wird wie Wasser, Brennstoff und ausreichende
Mengen an Muttermilchersatz, sind in Krisensituationen bergrenzt.
Darüber hinaus finden sich die als humanitäre Hilfe
gespendeten Muttermilchersatzprodukte häufig auf dem lokalen
Markt wieder und können damit einen negativen Einfluß
auf die allgemeinen Ernährungsgewohnhei-
ten ausüben.
Die Babynahrungsindustrie
nutzt die Katastrophenhilfe im allgemeinen, um ihre Produkte zu
plazieren und benutzt die "humanitäre Hilfe" als
eine Möglichkeit in die aufkommenden Märkte in Europa
und der ehemaligen Sowjetunion einzudringen.
- Große
Mengen von Babymilch wurden von der Europäischen Union
den Ländern der ehehmaligen Sowjetunion gespendet. Die
Dosen trugen den Firmennamen, den Markennamen und das Logo der
EU sowie die Aufschrift "Geschenk der Europäischen
Union an die Menschen in Rußland." Dieses vermittelt
den Eindruck als würde das Produkt von der EU gutgeheißen.
- Eine deutsche
Babynahrungsfirma, Humana, spendete Babymilch an Gesundheitszentren
in russischen Dörfern. Die Kartons zeigten ein Babybild
und den Aufdruck "wie Muttermilch", beides Verstöße
gegen Internationalen Kodex.
- Das Hilfspersonal
in Kasachstan erhielt so viel kostenlose Säuglingsnahrung,
daß sie diese als Kaffeeweißer benutzten!
- Dr. Anahit
Demirchyan, Koordinator der UNICEF-Initiative Stillfreundliches
Krankenhaus in Armenien, berichtete: "Die Verteilung
von Muttermilchersatzprodukten als humanitäre Hilfe hat
unser Stillförderungsprogramm nahezu zerstört."
IBFAN arbeitet
in den Themenfeldern der Säuglingsernährung in Krisensituationen
eng mit Hilfs- und Entwicklungsorganisationen zusammen.
Schlagen
Sie auf der Materialien-Seite die IBFAN-Veröffentlichung
Crucial Aspects of Infant Feeding in Emergency and Relief Situations
nach.
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Diese Dose wurde in Rußland als Hilfe der Europäischen
Union vertrieben und auf einem öffentlichen Markt in
Estonia käuflich erworben. IBFAN unterstützt eine
generische Etikettierung (d. h. Etiketten
ohne Markennamen) von Produkten, wenn ein nachgewiesener Bedarf
nach ihnen besteht.. |
Etiketten,
die das Stillen untergraben
Artikel 9.2
des Internationalen Kodex verlangt, daß die Etiketten in
einer angemessenen Sprache abgefaßt sind und einen besonderen
Warnhinweis enthalten, daß Stillen das beste für Babies
ist, und daß die Produkte nur auf Anweisung des Gesundheitspersonal
angewendet werden sollten. Ergänzend sollten keine Bilder
oder Texte zu finden sein, die den Gebrauch von Säuglingsnahrung
idealisieren könnten.
Artikel 9.1
besagt, daß Etiketten nicht vom Stillen abhalten sollten.
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Das Bild
der Packung rechts zeigt Nestlé Bona Säuglingsnahrung.
Nestlé fügt dem Text des wichtigen Hinweises
folgendes hinzu: "Säuglingsnahrung kann von
der Geburt an benutzt werden, wenn Stillen nicht möglich
ist, oder als eine Ergänzung zum Stillen."
Zufüttern behindert das Stillen
und macht ein frühes Abstillen wahrscheinlich. Der
Ernährungsplan auf der Packung besagt, daß Mütter
das Pulver weiter benutzen sollen, "falls Mangel
an Muttermilch besteht."
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Nestlés Bona, vertrieben in Russland, demonstriert,
daß es durchaus möglich ist den Gebrauch von
Säuglingsnahrung zu idealisieren ohne Babybilder benutzen
zu müssen.
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Siehe auch:
DAS PROBLEM: Geschichte, Übersicht.
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