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Werbung bei
Müttern und schwangeren Frauen
Firmen verstoßen
gegen den Internationalen Kodex und die Resolutionen, indem sie
Mütter mit einer Vielzahl von Methoden umwerben:
- Anzeigen
- Gratisproben
- Preisnachlässe
- Telefon"hilfen"
und "Elternclubs"
- Besuche zu
Hause oder in Gesundheitseinrichtungen
- "Erzieherisches"
Material zur Säuglingsernährung
- Plakate in
Krankenhäusern, Markennamen und Logos auf medizinischen
Geräten, Ausrüstungsgegenständen, Stiften, Notizblöcken
usw.
- Informationen
auf anderen Produkten
Einige Beispiele
aus IBFANs Monitoring-Bericht Breaking the
Rules, Stretching the Rules 1998:
Allen großen
Hersteller wurde nachgewiesen Gratisproben an Mütter verteilt
zu haben.
- Gesundheitseinrichtungen
hatten Plakate, Kalender, Uhren und Aufkleber mit Produktnamen
in ihren Räumen verteilt. Hierdurch wird der Eindruck erweckt,
als ob die Gesundheitseinrichtungen diese Produkte unterstützen.
Zunehmend spenden die Firmen Materialien, die nur ihren Firmennamen
oder ihr Logo tragen. Dies mag ein Zugeständnis an den
Internationalen Kodex sein, stellt aber nichtsdestotrotz eine
Möglichkeit dar die Gesundheitseinrichtungen als Werbeträger
zu benutzen.
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Dieser Kalender, von Coberco
Omefa hergestellt, wurde in Bangladesh verteilt. Er zeigt
Photos von Säuglingsnahrungs- und Folgenahrungspackungen
und trägt den Slogan "Sättigende Nahrung für
jung und alt."
Quelle: Breaking the Rules, Stretching the Rules 1998 |
- Verkaufspersonal
aller großen Firmen wurde der Kontakt zu Müttern
oder schwangeren Frauen nachgewiesen. Auf den Philippinen stellt
Nestlé Krankenschwestern als "Gesundheitserzieherinnen"
an, die schwangere Frauen und Mütter zu Hause besuchen,
um Nestogen Säuglingsnahrung zu bewerben. Als dieses durch
einen Fernsehbericht im Juli 1997 aufgedeckt worden war, drohte
Nestlé damit ihre gesamte Werbung von der Fernsehstation
abzuziehen.
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Gratisproben, verteilt an
Mütter in Bangladesh und Indonesien. Quelle: BTR98. |
- Nestlé
erhielt 1997 für den einfallsreichen Weg, auf dem sie das
dänische Stillförderungsprogramm unterlaufen hatte,
eine Auszeichnung des Gewerbes. Nestlé hatte einen "Elternclub"
eingerichtet und führte vierteljährlich Werbekampagnen
in Supermärkten in ganz Dänemark durch. Informationen
zur Säuglingsnernährung sowie der Club wurden in Krankenhäusern
und Entbindungskliniken präsentiert. In weniger als einem
Jahr hatte die Mitgliedschaft dänischer Eltern von unter
10% auf mehr als 75% zugenommen.
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Säuglings- und Folgenahrung
werden oft gleichartig verpackt. Die Anzeigen für die
Folgenahrung bewerben somit gleichzeitig die Anfangsnahrung.
Quelle: BTR98. |
- Werbung für
Säuglingsnahrung kommt in einigen Ländern immer noch
vor, aber viel häufiger bewerben die Firmen andere Produkte
wie Folgenahrungen. Oft tragen diese Produkte den gleichen Namen
wie die Säuglingsnahrung und bewerben so sehr effektiv
gleichzeitig die Anfangsnahrung.
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Mead Johnson verteilt diese
"Informationsblätter" unter dem Gesundheitspersonal
in Großbritanninen und bittet, "Bitte, geben Sie
eines davon an Eltern, wenn Sie Enfamil AR vorschlagen."
Quelle: Campaign
for Ethical Marketing, September 1997 |
Werbung beim
Gesundheitspersonal
Werbung unter
dem Gesundheitspersonal ist durch den Internationalen Kodex, Artikel
6.2 und 7.2, verboten und zur Verfügung gestellte Informationen
müssen sich auf wissenschaftliche und tatsachenbezogene Aussagen
beschränken.
1996 verabschiedete
die Weltgesundheitsversammlung die Resolution WHA 49.15, in der
sie die Mitgliedsstaaten auffordert, Maßnahmen zu ergreifen,
die garantieren, daß die finanzielle Unterstützung
des Gesundheitspersonals keine Interessenskonflikte auslösen
kann. Der Internationale Kodex, Artikel 7.5, fordert, daß
jegliche finanzielle Unterstützung, die ein Hersteller oder
Vertreiber von Muttermilchersatz bereitstellt, offengelegt werden
muß.
Das Gesundheitspersonal
ist ein erstrangiges Ziel für die Werbung der Babynahrungsindustrie.
Falls es einer Firma gelingt, einen Gesundheitsarbeiter zu überreden,
kann sie die Ernährungsentscheidungen vieler Mütter
beeinflussen.
Die Firmen statten
das Gesundheitspersonal weiterhin mit Geschenken aus und gewähren
ihm und seinen Berufsorganisationen finanzielle Unterstützung.
- Im August
1997 sponsorten Nestlé, Wyeth und Abbott-Ross die Internationale
Ernährungskonferenz in Montreal, Kanada. In seiner Rede
während der Konferenz kommentierte der stellvertretende
UNICEF-Direktor dieses folgendermaßen: "UNICEF
fühlt sich, ohne Umschweife gesagt, unwohl bei diesen internationalen
Versammlungen..., deren finanzielle Unterstützung zum Teil
auch noch von der Säuglingsnahrungsindustrie kommt. Ich
wünschte mir, dieses könnte anders gelöst werden."
- Viele der
Firmen verteilen Geschenke wie Kalender, Poster, Stifte, Notizblöcke
und Wachstumstabellen mit ihren Firmenlogos und oft sogar den
Produktnamen oder Bildern ihrer Produkte.
- Konferenzen
werden unter luxuriösen Bedingungen ausgerichtet. Zum Beispiel
betrat Milupa den Babynahrungsmarkt in Mauritius im November
1993 und baute sich die Unterstützung unter dem Gesundheitspersonal
durch eine Serie von Konferenzen in einem 5-Sterne-Hotel auf.
- Nestlé
organisierte 1993 eine Konferenz für brasilianische Kinderärzte
auf einem Kreuzfahrtschiff.
- SMA, ein Geschäftszweig
von Wyeth, vertrieb im Mai 1997 die obige Karte bei der Konferenz
des Royal College of Midwives in Großbritanninen. Sie
bietet den Hebammen Schönheitsprodukte an, wenn diese sich
mit einem Vertreter von SMA treffen sowie die Chance einen Preis
im Wert von £100 zu gewinnen, falls sie Einzelheiten über
die von ihnen betreuten Müttergruppen, ihre Kontaktadresse
und ihre Telefonnummer bei ihm hinterlassen.
Wie die Umsetzung
des Internationalen Kodex untergraben wird
Die Mitgliedsstaaten
der Weltgesundheitsversammlung sind aufgefordert, den Internationalen
Kodex und die Resolutionen in nationale Maßnahmen umzusetzen.
Hier geben wir einige Beispiele davon, wie die Babynahrungsfirmen
sich gegen diesen Prozeß stemmen.
- Philippinen
- 1989. Verschiedene Hersteller bearbeiten die Regierung,
um gegen die Verabschiedung eines Gesetzentwurfs vorzugehen,
der Müttern die Unterstützung beim Stillen und das
Schlafen bei ihren Kindern erleichtern soll - Das Rooming-in-Gesetz.
- Pakistan
- 1992 und 1997. Nestlé verlangt 1992, daß
Babymilchen und Babynahrung von der Arzneimittelliste der Regierung
gestrichen werden, damit die Verkaufsmöglichkeiten nicht
länger auf Apotheken beschränkt bleiben müssen,
sondern diese Produkte in allen Lebensmittelgeschäften
oder auf Märkten verkauft werden können. 1997 opponiert
Nestlé gegen viele Vorschriften der pakistanischen Gesetzesvorlage.
- Indien
- 1995.
Nachdem Nestlé vor Gericht gebracht worden ist, verfaßt
sie eine schriftliche Eingabe gegen die indische Regierung mit
der Forderung, daß die Vorschriften des Säuglingsmilchersatz-Gesetzes,
wegen derer sie verfolgt wird, abgeschafft werden.
- Guatemala
- 1995.
Die US-Regierung setzt Guatemala unter Druck Gerber zu erlauben
Babybilder auf ihren Packungen zu benutzen.
- Russland
- 1996.
Nestlé bietet an, die abgeschwächte Version der
britischen Säuglings- und Folgenahrungsvorschriften als
Grundlage für den Gesetzentwurf zu übersetzen anstelle
des Internationalen Kodex und der Resolutionen.
- Südafrika
- 1997. Säuglingsnahrungshersteller in
Südafrika gründen die "Stiftung für die Freiheit
der kommerziellen Rede", um gegen die Einschränkung
der Werbung vorzugehen.
- Sri Lanka
- 1997. Nestlé geht gegen die Revison des Kodex von
Sri Lanka vor, in den die WHA-Resolution von 1996 eingearbeitet
werden soll.
- Zimbabwe
- 1998.
Nestlé droht sämtliche Investitionen aus dem Land
abzuziehen, falls Zimbabwe nicht die strengen Vorschriften im
Landesgesetz zurücknimmt.
- Europa
und die UN - anhaltend. Die Industrie versucht zu verhindern,
daß der Internationale Kodex und die Resolutionen als
Grundlage für internationale Handelsstandards herangezogen
werden.
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Siehe auch:
DAS PROBLEM: Geschichte, Übersicht.
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