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Nestlé
behauptet, daß ihr Gründer, Henri Nestlé,
1867 der Welt erste künstliche Säunglingsnahrung erfunden
habe. Bis 1873 seien in Europa, den Vereinigten Staaten, Argentinien,
Mexiko und im holländischen Ostindien 500 000 Dosen von
Nestlés Milchnahrung umgesetzt worden. Die Märkte
weiteten sich aus und weitere Firmen sahen eine Gelegenheit.
1998 wurde der jährliche Umsatz von Babymilch auf US$ 8
Milliarden (knapp 20 Milliarden Deutsche Mark) geschätzt.
1939
Cecily Williams
hält einen Vortrag über den Tod der Flaschenbabies
und kondensierte Milch vor dem Rotary Club Singapur. Unter dem
Titel Milch und Mord sagte sie damals, daß "falsche
Propaganda für Säuglingsnahrung als die kriminellste
Form von Volksverhetzung bestraft werden muß, und diese
Todesfälle müssen als Mord angesehen werden."
1968
Dr. Derrick
Jelliffe münzt den Begriff "kommerziogene Mangelernährung",
um die Auswirkungen der Vermarktungspraktiken der Industrie
auf die Säuglingsgesundheit zu beschreiben.
1970
Die UN-Beratergruppe
Proteine-Kalorien (PAG) erhebt erste Bedenken gegen die Praktiken
der Industrie.
1972
Die Internationale
Organisation der Verbraucherverbände (IOCU) übergibt den Entwurf
eines Kodex für die Handhabung der Werbung für Säuglingsnahrung
an die Codex
Alimentarius-Kommission
der FAO/WHO.
1973
Das Magazin
New Internationalist berichtet in einer Titelgeschichte über
Die Babynahrungstragödie. Der Artikel fordert Maßnahmen
ein, damit die ethisch unverantwortliche Werbung für Babymilch
beendet wird. Die PAG der UN stellt fest, daß Werbung
unter Müttern im Krankenhaus unmittelbar nach der Geburt
rücksichtslos ist.
1974
War on Want
veröffentlicht Die Baby Killer, einen Bericht über
Säuglingsmangelernährung und die Werbung für
künstliche Nahrung in der Dritten Welt. Die Aktionsgruppe
Dritte Welt Bern (AgDW) übersetzt Die Baby Killer und veröffentlicht
es in der Schweiz unter dem Titel Nestlé tötet Babies.
Nestlé verklagt die AgDW wegen Verleumdung.
1975
Erste Anhörung
im Nestlé-Verleumdungsverfahren. Der Internationale Rat
der Säuglingsnahrungsindustrie (ICIFI) formiert sich. Cow
& Gate, Dumex, Meiji, Morinaga, Nestlé, Snow Brand,
Wakado and Wyeth schließen sich an.
1976
Die Schwestern
des Edlen Blutes (USA) fordern die Aktionäre zu Aktionen
gegen Bristol-Myers auf. Hintergrund dieser Aktion ist die Bedrohung
der Säuglingsgesundheit durch die Werbungkampagnen der
Firma für Säuglingsmilch. Der Urteilsspruch im Nestlé-Verfahren
befindet die AgDW der Verleumdung für schuldig, aber ausschließlich
für den Titel der Broschüre. Der AgDW wird eine symbolische
Strafe auferlegt, Nestlé jedoch erhält eine Verwarnung
die Vermarktungspraktiken zu ändern.
1977
Papua Neu Guinea
verbietet die Werbung für Saugflaschen und verordnet für
Flaschen und Sauger Rezeptpflicht. Der Nestlé-Boykott
wird in den USA von INFACT (Infant Formula Action
Coalition) ins Leben gerufen, um gegen Nestlés ethisch
nicht vertretbare Vermarktungspraktiken zu protestieren.
Der Nestlé-Boykott beginnt
1978
Der Nestlé-Boykott
zieht seine Kreise über Australien, Kanada und Neuseeland.
Bristol-Myers legt den Rechtsstreit mit den Schwestern des Edlen
Blutes außergerichtlich bei und stimmt zu jegliche direkt
an die Verbraucher gerichtete Werbung für Babymilchen einzustellen
und die Werbestrategie gegenüber Müttern in Form von
Schwestern für die Mütterschulung auftretendem Verkaufspersonal
zu beenden. Der US-Senat führt Anhörungen unter dem
Vorsitz von Senator Edward Kennedy zur unangemessenen Vermarktung
von Babymilchen in Entwicklungsländern durch. Nestlé
veröffentlich ein Papier, welches das erste in einer Reihe
zahlloser Politikerklärungen ist, die wenig mit dem zu
tun haben, was die Kritiker dem Konzern wirklich vorwerfen.
Nestlé versucht mit solchen Erklärungen lediglich,
das öffentliche Ansehen zu verbessern.
1979
WHO und UNICEF richten eine internationale Konferenz
zur Säuglings- und Kleinkindernährung aus. Das Treffen,
an dem Repräsentanten von Regierungen, Gesundheitsorganisationen,
Firmen und Aktionsgruppen teilnehmen, fordert die Erarbeitung
eines internationalen Kodex für die Vermarktung sowie Maßnahmen
auf anderen Ebenen, um die Ernährungssituation für
Säuglinge und Kleinkinder zu verbessern. Das Internationale Aktionsnetzwerk Säuglingsnahrung (IBFAN) wird von sechs der Aktionsgruppen während
dieser Konferenz aus der Taufe gehoben. IBFAN beginnt zu wachsen,
nachdem weitere Gruppen dazustoßen oder gegründet
werden.
IBFAN wird gegründet
1980
In ihrer Zeugenaussage
während einer Anhörung vor dem US-Senat räumen
Nestlé und drei US-Firmen ein, daß sie nicht beabsichtigen
den WHO-Auslegungen der Empfehlungen aus der WHO/UNICEF-Konferenz
von 1979 Folge zu leisten. Die 33. Weltgesundheitsversammlung
übernimmt Empfehlungen von der 1979er WHO/UNICEF-Konferenz
und beauftragt diese Gremien damit, einen Kodex zu entwerfen
und breitgestreute Beratungen hierzu durchzuführen. Der
Nestlé-Boykott wird in Großbritannien ausgerufen.
1981
Der Nestlé-Boykott
nimmt in Schweden und der Bundesrepublik Deutschland seinen
Anfang. Als Präsident von ICIFI erklärt Nestlé-Vizepräsident
Ernest Saunders den Entwurf des Vermarktungskodex für unakzeptabel,
restriktiv, irrelevant und nicht umsetzbar. IBFAN trifft sich
in Genf und beschließt eine Kampagne für die Umsetzung
des Vermarktungskodex auf den Weg zu bringen sowie die Industrie
zu überwachen. Breaking the Rules-Berichte werden in den
kommenden Jahren in unregelmäßigen Abständen
veröffentlicht. Die 34. Weltgesundheitsversammlung (WHA)
verabschiedet die Resolution WHA 34.22,
welche den Internationalen Kodex für die Vermarktung von
Muttermilchersatzprodukten als eine "Minimalanforderung"
enthält, die "in ihrer Gesamtheit umzusetzen ist".
Die WHA bittet den Generaldirektor der WHO in geraden Jahren
hierzu zu berichten. 118 Nationen stimmen zu, einzig die USA
votiert dagegen.
Der Internationale Kodex
Das Europäische
Parlament stimmt der Ausarbeitung einer Direktive zu, deren
Grundlage der Internationale Kodex ist.
1982
Peru wird das
erste Land, das den Internationalen Kodex als nationales Gesetz
verabschiedet. Die 35. Weltgesundheitsversammlung ruft in Erinnerung,
daß der Internationale Kodex eine "Minimalanforderung"
darstellt, die "in ihrer Gesamtheit umzusetzen ist"
und fordert die Mitgliedsstaaten auf ihm erneut ihre Aufmerksamkeit
zu widmen
Resolution WHA 35.26
Die Europäische
Kommission (EC) beginnt ihre Arbeit am Entwurf der Direktive,
wobei sie ihr Augenmerk mehr auf einen Kodex für Geschäftspraktiken,
ausgearbeitet von IDACE (Vereinigung der Diätetischen Nahrungsmittelhersteller
in der Europäischen Union) als Grundlage für die Direktive
richtet als auf den Internationalen Kodex. Nestlés Prüfungskommission
für Säuglingsnahrung (NIFAC) wird eingerichtet, um
Nestés Vermarktungspraxis zu überprüfen; die
wiederum stützt sich auf Nestlé-interne Richtlinien
statt auf den Internationalen Kodex. Der frühere US-Außenminister
Edmund Muskie übernimmt den Vorsitz.
Der Nestlé-Boykott wird in Frankreich gestartet.
1983
Das Europäische
Parlament verabschiedet ein weiteres Mal eine Resolution, die
in deutlichen Worten die Umsetzung des Internatioalen Kodex
fordert. Der Nestlé-Boykott verbreitet sich nach Finnland
und Norwegen, womit sich jetzt 10 Länder dem Boykott angeschlossen
haben. Der Boykott in Nordamerika nimmt an Umfang zu.
1984
Im Januar erklärt
Nestlé sich bereit, den Internationalen Kodex in Entwicklungsländern
anzuwenden. Im Februar erklären Boykott-Gruppen den Boykott
für sechs Monate auszusetzen, um Nestlé Gelgenheit
zu geben die Versprechen in die Praxis umzusetzen. Im Oktober
wird der Néstle-Boykott ausgesetzt. Die Überwachung
hat gezeigt, daß Nestlé einige ihrer dreistesten
Vergehen eingestellt hat und daß das Führungsmanagement
Schritte einleitet weitere Angelegenheiten zu lösen, die
u. a. die Anwendung des Internationalen Kodex in Europa betreffen
sowie die Anerkennung der WHO-Politik in Bezug auf Gratis- und
rabattierte Lieferungen.
Nestlé-Boykott ausgesetzt
Die Vereinigung
der Säuglingsnahrungshersteller (IFM) wird gegründet,
die ICIFI ablöst. Die 37. Weltgesundheitsversammlung erneuert
ihre Aufforderung zur Umsetzung des Internationalen Kodex, eine
Aufforderung, die in jeder Resolution wiederholt wird, die auf
den Kodex Bezug nimmt. Die WHA fordert eine stärkere Berücksichtigung
der "Lebensmittel lokaler Herkunft" in der Ernährung.
Resolution WHA 37.30
1985
IBFAN veröffentlicht
die erste Ausgabe von "Schützt die Gesundheit unserer
Kinder" (ein Handbuch zum Internationalen Kodex für
das Gesundheitspersonal), beginnt mit der Herausgabe der Breastfeeding Briefs
(einer Zusammenschau wissenschaftlicher Literatur zum Stillen),
gründet das Kodex-Dokumentationszentrum in Penang, Malaysia
(ICDC) und veranstaltet erste Workshops zum Internationalen
Kodex in Afrika.
IBFAN-ICDC
beginnt Kodex-Training
Die ACP (afrikanische,
karibische und pazifische) Ländergruppe fordert die Mitgliedsstaaten
der EU auf den Internationalen Kodex in Europa umzusetzen. Das
WHO/UNICEF- Expertenkomitee fordert ein Ende der Gratis- und
preisreduzierten Lieferungen von Babymilchen.
1986
Das Europäische
Parlament votiert ein weiteres Mal dafür die wesentlichen
Vorschriften des Internationalen Kodex in den Entwurf der Direktive
aufzunehmen.
Die 39. Weltgesundheitsversammlung nimmt eine Resolution an,
die kostenlose und subventionierte Lieferungen von Muttermilchersatz
verbietet und stellt fest, daß der Gebrauch von "sogenannten
'Folge'milchen nicht notwendig ist."
Resolution WHA 39.28
Die Europäische
Kommission übergibt dem Ministerrat die Direktive. Als
sie vor das Parlament kommt, gibt es eine überwältigende
Mehrheitsabstimmung zugunsten einer eindeutigeren Übereinstimmung
mit dem Internationalen Kodex.
1987-1988
Die IBFAN-Überwachung
offenbart, daß die Firmen Gesundheitsein-
richtungen mit Gratis- und preisreduzierten Lieferungen geradezu
überfluten und daneben weitere Vorschriften des Internationalen
Kodex verletzen.
1988
ICDC veröffentlicht
den ersten Bericht State of the Code by Country. Sieben Länder
haben den Kodex als Gesetz umgesetzt.
Juni Die IBFAN-Gruppe in den USA räumt Nestlé und
Wyeth/AHP (American Home Products) Zeit bis Oktober ein, um
Gratis- und preisreduzierte Lieferungen von Babymilchen einzustellen.
Bei negativem Ergebnis sind Aktionen von Verbrauchern vorgesehen.
Die britische Regierung kündigt an Gratis- und rabattierte
Lieferungen zu verbieten.
Oktober Die US IBFAN-Gruppe ruft den Boykott gegen Nestlé
und AHP in den USA aus; die deutsche Gruppe greift den Boykott
gegen Nestlé wieder auf und startet eine Öffentlichkeitskampagne
gegen Milupa in Deutschland. Kanada schließt sich dem
Nestlé-Boykott an.
Nestlé-Boykott wieder aufgenommen
Die 41. Weltgesundheitsversammlung
stellt besorgt "anhaltend rückläufige Stillraten
in vielen Ländern" fest.
Resolution WHA 41.11
1989
Der Nestlé-Boykott
läuft erneut in Irland, Finnland, Mauritius, Mexiko, Norwegen,
Schweden und England an.
IBFAN hät ein Internationales Forum in Manila ab, um 10
Jahre IBFAN zu begehen. Der Boykott gegen Nestlé, Wyeth,
Bristol Myers und Abbott-Ross beginnt auf den Philippinen.
Die Kinderrechtskonvention wird von den Vereinten Nationen verabschiedet.
Kinderrechtskonvention
1990
Die 43. Weltgesundheitsversammlung
stellt fest, daß, entgegen ihrer Resolution von 1986 "Gratis-
oder preisreduzierte Lieferungen weiterhin in Krankenhäusern
und auf Entbindungsstationen erhältlich sind".
Resolution WHA 43.3
In der Folge
der UN-Kinderrechtskonvention wird die Innocenti Deklaration
von 32 Ländern unterzeichnet. Sie fordert alle Regierungen
auf den Internationalen Kodex bis 1995 als eine Minimalanforderung
in ihrer Gesamtheit umzusetzen und eine ideenreiche Mutterschutzgesetzgebung
auf den Weg zu bringen. Die Führungen der Staaten sagen
während des Weltkindergipfels der Innocenti Deklaration
ihre volle Unterstützung zu.
Innocenti Deklaration
Der Nestlé-Boykott
wird in Frankreich ausgerufen.
1991
Der Nestlé-Boykott
wird in Australien und der Schweiz aufgegriffen.
Obwohl IBFAN in der Lage gewesen ist einige Verbesserungen zu
erreichen, sind die Regelungen in der endgültigen
EU
Direktive
zur Vermarktung von Säuglingsnahrung und Folgemilchen im
Binnenmarkt äußerst schwach.
UNICEF und WHO rufen die Initiative Stillfreundliches Krankenhaus
ins Leben,
die darauf zielt die Praxis in der Gesundheitsversorgung von
Müttern und Kindern zum besseren zu verändern. Sie
fordern die Firmen auf Gratis- und rabattierte Lieferungen von
Babymilchen an Krankenhäuser und Geburtseinrichtungen weltweit
bis Ende 1992 einzustellen.
NIFAC führt eine Untersuchung in Mexiko durch, die eine
weitverbreitete Verteilung von Gratislieferungen herausfindet
einhergehend mit den konsequqenterweise fatalen Auswirkungen
auf die Stillraten. Nestlé stellt NIFAC ein mit dem Ergebnis,
daß die Mehrheit der von IBFAN festgestellten Beschwerden
unbeantwortet bleiben.
UNICEF stellt in dem Bericht Die Lage der Kinder
der Welt fest, daß die Umkehrung des Niedergangs des Stillens
jährlich 1,5 Millionen Leben retten könnte.
Die Weltallianz für Stillaktionen (World Alliance for Breastfeeding
Action [WABA]) wird gegründet um die Ziele der Innocenti
Deklaration zu verfolgen.
IBFAN verzeichnet 9 Länder, die den Internationalen Kodex
nahezu umfassend, und 28, die einige Vorschriften als Gesetz
umgesetzt haben.
1992
Die 45. Weltgesundheitsversammlung
fordert die Mitgliedsstaaten auf Gesetze in Kraft zu setzen,
welche die Rechte der berufstätigen Frauen stillen zu können
schützen.
Resolution WHA 45.34
Die Export
Direktive der Europäischen Union wird verabschiedet. Sie
fordert von allen in der EU ansässigen Firmen Babybilder
von den Packungen zu entfernen und eine angemessene Sprache
auf den Dosen einzuführen.
Export Direktive der EU
Indien setzt
das Säuglingsmilchersatz-Gesetz (IMS) in Kraft.
Nepal verabschiedet den Internationalen Kodex in seiner Gesamtheit
als Gesetz.
1993
Gegen Johnson
& Johnson wird in Indien nach dem IMS-Gesetz ein Gerichtsverfahren
angestrengt, nachdem eine Beschwerde der indischen IBFAN-Gruppe
eingereicht worden war.
Nestlé versucht in den USA andere Babynahrungshersteller
zu belangen, weil sie einem freiwilligen Werbeverbot für
Säuglingsnahrung zugestimmt haben.
Der Nestlé-Boykott breitet sich auf Italien, Luxemburg,
Spanien und die Türkei aus, womit die Anzahl der beteiligten
Länder auf 18 wächst.
1994
In Indien wird
von der indischen IBFAN-Gruppe ein Gerichtsverfahren gegen Nestlé
angestrengt.
Die 47. Weltgesundheitsversammlung verabschiedet eine Resolution,
welche die Forderung nach dem Ende der Gratis- und rabattierten
Lieferungen in allen Bereichen des Gesundheitswesens enthält
ebenso wie die Aufforderung in der Katastrophenhilfe der Annahme
von Spenden mit Vorsicht zu begegnen sowie der Empfehlung Beikost
etwa ab dem sechsten Monat einzuführen. Zum ersten Mal
unterstützen die USA eine Resolution, die die Unterstützung
des Internationalen Kodex und der nachfolgenden, bezugnehmenden
Resolutionen bekräftigt.
Resolution WHA 47.5
IBFAN veröffentlicht
Breaking the Rules 1994, das Ergebnis von Überwachungen
in 62 Ländern.
1995
In der Folge
der Umsetzung der 1991er
EU Direktive wird Werbung in fünf europäischen
Ländern verboten.
Nestlé verliert den Prozeß gegen jene US-Firmen,
die ein Werbeverbot akzeptiert hatten, jedoch ist das freiwillige
Abkommen mittlerweile ausgehöhlt.
IBFAN richtet nationale und internationale Konferenzen aus,
um die Problematik der Säuglingsernährung in Katastrophenhilfesituationen
zu thematisieren.
1996
IBFAN berichtet
über die Umsetzung des Internationalen Kodex in nationale
Gesetze in 16 Ländern.
In Indien legt Johnson & Johnson das gegen sie laufende
Verfahren außergerichtlich bei. Ein zweites, hiervon unabhängiges
Verfahren gegen sie und zwei weitere Firmen wird durch die indische
IBFAN-Gruppe eingeleitet. J & J kündigt an sich vom
indischen Saugflaschenmarkt zurückziehen zu wollen.
Nestlé reicht eine schriftliche Eingabe gegen die indische
Regierung ein mit der Forderung die Vorschriften des IMS-Gesetzes,
derentwegen sie angeklagt ist, zurückzuziehen.
Die 49. Weltgesundheitsversammlung nimmt eine Resolution an,
die eine unabhängige Überwachung frei von kommerziellem
Einfluß sowie Maßnahmen zur Kontrolle des Marktes
für Ergänzungsnahrung fordert. Dem Gesundheitspersonal
wird aufgetragen bei der Annahme kommerzieller Unterstützung
Vorsicht walten zu lassen.
Resolution WHA 49.15
Die britische
IBFAN-Gruppe verteidigt erfolgreich die Behauptungen, die in
einer Anzeige für die Unterstützung des Nestlé-Boykotts
aufgestellt worden waren, vor dem Werberat.
Die europäische Kommission veröffentlicht das Grüne
Papier über Kommerzielle Kommunikation im Binnenmarkt,
das wesentliche Konsequenzen für nationale Werbeverbote
für Säuglingsnahrung enthält.
1997
Angesichts
der Androhung eines Gerichtsverfahrens entschuldigt sich der
indische Babynahrungshersteller Wockhardt und leitet Änderungen
seiner Praxis ein.
Die Interagency Group on Breastfeeding Monitoring, ein Zusammenschluß
von 27 kirchlichen, akademischen und entwicklungspolitischen
Organisationen in Großbritannien, führt in Bangladesh,
Polen, Südafrika und Thailand wissenschaftliche Untersuchungen
durch, um zu belegen, ob die von IBFAN durchgeführten Untersuchungen
zutreffend sind oder nicht. Der Ergebnisbericht mit dem Titel
Cracking the Code
kommt zu dem Schluß, daß der Internationale Kodex
und die Resolutionen von den Firmen in "eher systematischer
Weise als in einmaligen Aktionen" gebrochen wird. UNICEF
stellt fest: "Die Ergebnisse IBFANs werden durch diesen
Report nachdrücklich bestätigt."
1998
IBFAN veröffentlicht
seinen jüngsten Monitoring-Bericht, Breaking the
Rules, Stretching the Rules 1998, der die gegenwärtigen
Vermarktungsvergehen herausstellt.
Zu ersten Mal wird der Weltgesundheitsversammlung in einem Berichtsjahr
kein Resolutionsentwurf vorgelegt. Stattdessen verspricht die
WHO eine Reihe von Expertentreffen, die darauf schauen sollen,
"wie Widerstände gegen die vollständige Umsetzung
des Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten
und der nachfolgenden Resolutionen in allen Ländern ausgeräumt
werden können."
IBFAN trifft sich mit der WHO, um seine Belege von Vermarktungsvergehen
und seine Vorschläge für die Ausräumung der Widerstände
gegen die Umsetzung des Internationalen Kodex und der Resolutionen
zu präsentieren.
IBFAN erhält den mit hohem Ansehen verbundenen Right Livelihood
Award "für seine hingebungsvolle
und effektive Kampagne über nahezu zwanzig Jahre."
1999
IBFAN ist zwanzig Jahre alt. Es ist von 6 Gruppen
auf über 150 in mehr als 90 Ländern gewachsen. Zwanzig
Länder haben alle oder nahezu alle Vorschriften des Internationalen Kodex
und der Resolutionen umgesetzt. Weitere 27 haben
viele Regelungen im Gesetz.
Es ist noch
nicht vorüber...
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