WHA RESOLUTION
54.2
Säuglings-
und Kleinkindernährung
Die
Vierundfünfzigste Weltgesundheitsversammlung,
In Erinnerung
der Resolutionen WHA33.32, WHA34.22, WHA35.26, WHA37.30, WHA39.28, WHA41.11, WHA43.3, WHA45.34, WHA46.7, WHA47.5 und WHA49.15 zu Säuglings- und Kleinkindernährung,
angemessenen Fütterungspraktiken und verwandten Fragen;
Tief
besorgt um die Verbesserung der Säuglings- und Kleinkindernährung
und um die Minderung aller Formen von Fehlernährung auf
der Welt, weil mehr als ein Drittel der unter fünfjährigen
Kinder immer noch fehlernährt ist - entweder wachstumsgehemmt,
mangelernährt oder mangelversorgt mit Jod, Vitamin A,
Eisen oder anderen Mikronährstoffen - und weil Fehlernährung
weiterhin zu nahezu der Häfte der 10,5 Millionen Todesfälle
jährlich unter Vorschulkindern weltweit beiträgt;
Zutiefst
beunruhigt darüber, daß Fehlernährung von
Säuglingen und Kleinkindern weiterhin eines der schwerwiegendsten
globalen Probleme öffentlicher Gesundheit bleibt, sowohl
einer der wesentlichen Gründe für als auch der Folgen
von Armut, Mangel, Nahrungsmittelunsicherheit und sozialer
Ungleichheit, und daß Mangelernährung nicht nur
der Grund für gesteigerte Anfälligkeit für
Infektionen und andere Krankheiten, Wachstumsverzögerungen
eingeschlossen, ist, sondern auch für intellektuelle,
geistige, soziale und entwicklungsmäßige Benachteiligungen
sowie erhöhter Risiken für Erkrankungen während
der Kindheit, der Jugend und des Erwachsenenalters;
In Anerkennung
des Rechtes eines jeden Menschen Zugang zu sicherer und gehaltvoller
Nahrung zu haben, im Einklang mit dem Recht auf angemessene
Ernährung und dem grundlegenden Recht eines jeden Menschen
frei von Hunger zu sein, und daß jegliche Anstrengung
im Hinblick darauf unternommen werden sollte allmählich
die umfassende Verwirklichung dieses Rechtes zu erreichen;
In Bestätigung der Notwendigkeit
für alle Bereiche der Gesellschaft - einschließlich
der Regierungen, der Zivilgesellschaft, der Berufsverbände
des Gesundheitspersonals, der Nichtregierungsorganisationen,
der kommerziellen Unternehmen und der internationalen Körperschaften
- unter Einsatz aller ihnen zur Verfügung stehenden Mittel
zu einer verbesserten Ernährung der Säuglinge und
Kleinkinder beizutragen, ganz besonders durch die Förderung
optimaler Ernährungspraktiken, unter Einbeziehung eines
umfassenden multisektoralen, ganzheitlichen und strategischen
Ansatzes;
Unter
Beachtung der Leitlinien der Kinderrechtskonvention, insbesondere
Artikel 24, welcher, unter anderem, die Notwendigkeit
für den Zugang zu und die Verfügbarkeit von sowohl
Unterstützung als auch Information in Bezug auf die Anwendung
der grundlegenden Kenntnisse über die Gesundheit und
die Ernährung von Kindern sowie die Vorteile des Stillens
für alle Bereiche der Gesellschaft, insbesondere für
Eltern und Kinder, anerkennt;
Im Bewußtsein
darüber, daß trotz der Tatsache, daß es laut
Internationalem
Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten
und der relevanten nachfolgenden Resolutionen der Weltgesundheitsversammlung
keine Werbung oder andere Formen der Förderung von Produkten,
die in seinen Bereich fallen, geben sollte, dennoch neue moderne
Kommunikationsmethoden, einschließlich elektronischer
Medien, zunehmend eingesetzt werden, um solche Produkte zu
bewerben; und im Bewußsein über die Notwendigkeit
für die Codex Alimentarius-Kommission, den Internationalen
Kodex und die nachfolgenden relevanten Resolutionen in die
Beratung über Gesundheitsbehauptungen bei der Entwicklung
von Nahrungsmittelstandards und Leitlinien einzubeziehen;
Eingedenk
der Tatsache, daß 2001 den zwanzigsten Jahrestag der
Verabschiedung des Internationalen Kodex für die Vermarktung
von Muttermilchersatzprodukten markiert, und daß die
Annahme der aktuellen Resolution eine Gelegenheit bietet die
wesentliche Rolle des Internationalen Kodex für den Schutz,
die Förderung und die Unterstützung des Stillens
erneut zu stärken;
In Anerkennung
der Tatsache, daß es eine solide wissenschaftliche Grundlage
gibt für Politikentscheidungen, die Anstrengungen der
Mitgliedsstaaten und die der WHO zu verstärken; für
Vorschläge für neue und innovative Ansätze
das Wachstum zu überwachen und die Ernährung zu
verbessern; dafür verbesserte Still- und Ergänzungsernährungspraktiken
zu fördern, und zuverlässige, kulturspezifische
Beratung; den Ernährungstatus von Frauen im Fortpflanzungsalter
zu verbessern, insbesondere während und nach Schwangerschaften;
alle Formen von Fehlernährung zu mindern; und Leitlinien
für die Ernährung von Säuglingen von HIV-positiven
Müttern zu erstellen;
Unter
Beachtung des Bedarfs an wirksamen Systemen, um das Ausmaß
und die geographische Verteilung aller Formen von Fehlernährung
zu erfassen, zusammen mit deren Konsequenzen und den dazu
beitragenden Faktoren sowie den ernährungsbedingten Erkrankungen;
und für die Überwachung der Lebensmittelsicherheit;
Unter
Begrüßung der Anstrengungen der WHO in enger Zusammenarbeit
mit UNICEF und anderen internationalen Partnern eine umfassende
globale Strategie für die Säuglings- und Kleinkindernährung
zu entwickeln, und unter Einbeziehung des ACC Sub-Komitees
zu Ernährung als einem Vermittlungsforum für die
Koordination und den Austausch von Informationen in diesem
Kontext;
-
DANKT
der Generaldirektorin für den Bericht über den
Fortschritt bei der Entwicklung einer neuen globalen Strategie
für die Säuglings- und Kleinkindernährung;
-
FORDERT
die Mitgliedsstaaten AUF:
(1)
das Recht eines jeden Menschen auf Zugang zu sicherer
und gehaltvoller Nahrung anzuerkennen, im Einklang mit
dem Recht auf angemessene Ernährung und dem grundlegenden
Recht eines jeden Menschen frei von Hunger zu sein, und
daß jegliche Anstrengung im Hinblick darauf unternommen
werden sollte allmählich die umfassende Verwirklichung
dieses Rechtes zu erreichen; und alle Bereiche der Gesellschaft
aufzurufen bei den Anstrengungen für die Verbesserung
der Ernährung der Säuglinge und Kleinkinder
zusammenzuarbeiten;
(2)
die notwendigen Maßnahmen von Seiten des Staates
zu ergreifen die Kinderrechtskonvention wirkungsvoll umzusetzen,
damit das Recht eines jeden Kindes auf den größtmöglichen
Standard an Gesundheit und Gesundheitsversorgung gesichert
wird;
(3)
interinstitutionelle und intersektorale Diskussionsforen
mit allen Interessenvertretungen mit dem Ziel einzurichten
oder zu stärken nationales Einvernehmen über
die Strategien und die Politiken zu erreichen einschließlich,
in Zusammenarbeit mit ILO, politischer Maßnahmen,
die das Stillen der berufstätigen Frauen unterstützen,
um deutlich die Säuglings- und Kleinkindernährung
zu verbessern und teilhabende Mechanismen zu entwickeln,
um spezifische Ernährungsprogramme einzuführen
und umzusetzen und Projekte, die auf neue Initiativen
und innovative Ansätze abzielen;
(4)
die Anstrengungen zu verstärken und neue Herangehensweisen
zu entwickeln, um als weltweite öffentliche Gesundheitsempfehlung
das ausschließliche Stillen für die Dauer von
sechs Monaten zu schützen, zu fördern und zu
unterstützen, unter Berücksichtigung der Ergebnisse
des WHO-Expertengespräches über die optimale
Dauer ausschließlichen Stillens (Anmerkung
1), und sichere und angemessene Beikost zur Verfügung
zu stellen bei fortgesetztem Stillen bis zu zwei Jahren
oder darüber hinaus, den Schwerpunkt auf gemeindebezogene
Wege für die Verbreitung dieser Konzepte legend,
um die Gemeinschaften dahinzuführen diese Praktiken
anzuwenden;
(5)
die Initiative Stillfreundliches Krankenhaus zu unterstützen
und Mechanismen zu entwickeln, einschließlich Vorschriften,
Gesetzen oder anderen Maßnahmen, die darauf ausgelegt
sind, direkt oder indirekt, regelmäßige Bewertungen
von Krankenhäusern zu unterstützen, welche die
Einhaltung von Standards und die Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit
der Initiative langfristig zu sichern;
(6)
die Ergänzungsnahrung und deren Praktiken dadurch
zu verbessern, daß den Müttern kleiner Kinder
zuverlässige, kulturspezifische Beratungen zuteil
werden, mit der Empfehlung der größtmöglichen
Nutzung heimischer, nährstoffreicher Lebensmittel;
und der Entwicklung und Verbreitung von Leitlinien für
die Ernährung von Kindern unter zwei Jahren oberste
Priorität einzuräumen, ebenso der Ausbildung
des Gesundheitspersonals und der Sprecher der Gemeinschaften
zu diesem Thema, und der Einbettung dieser Botschaften
in die Strategien der Gesundheits- und Ernährungsinformationen,
-ausbildung und -bekanntmachungen;
(7)
die Überwachung des Wachstums und der Verbesserung
der Ernährung zu verstärken, mit dem Augenmerk
auf gemeinschaftsbezogene Strategien, und danach zu streben,
sicherstellen zu können, daß alle fehlernährten
Kinder, entweder in der Gemeinde oder im Krankenhaus,
zuverlässig diganostiziert und behandelt werden;
(8)
nachhaltige Maßnahmen zu entwickeln, umzusetzen
oder zu stärken einschließlich, wo es angebracht
ist, gesetzgeberischer, die darauf abzielen alle Formen
von Mangelernährung bei Kleinkindern und Frauen im
Fortpflanzungsalter zu reduzieren, insbesondere Eisen-,
Vitamin A- und Jod-Mangel, durch die Kombination von Strategien,
die Ergänzungen, Nahrungsverstärkung und Abwechslungsreichtum
im Speiseplan umfassen, durch empfohlene Ernährungspraktiken,
die kulturspezifisch sind und auf heimischen Lebensmitteln
basieren, sowie durch weitere gemeinschaftsbezogene Ansätze;
(9)
nationale Mechanismen zu stärken, welche die umfassende
Einhaltung des Internationalen Kodex für die Vermarktung
von Muttermilchersatzprodukten sowie der nachfolgenden
relevanten Resolutionen der Weltgesundheitsversammlung
sicherstellen, im Hinblick auf die Etikettierung sowie
auf alle Formen der Werbung und kommerzieller Förderung
in jeglicher Art von Medien, die Codex Alimentarius-Kommission
zu bestärken den Internationalen Kodex und die relevanten
nachfolgenden Resolutionen der Weltgesundheitsversammlung
in die Beratung über die Entwicklung von Standards
und Leitlinien einzubeziehen; und die allgemeine Öffentlichkeit
über den Fortschritt bei der Umsetzung des Internationalen
Kodex und der nachfolgenden relevanten Resolutionen der
Weltgesundheitsversammlung zu informieren;
(10)
die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse anzuerkennen
und die Risiken von HIV-Übertragungen durch das Stillen
verglichen mit den Risiken nicht zu stillen abzuwägen
sowie die Notwendigkeit für unabhängige Forschung
auf diesem Gebiet; für die Sicherstellung angemessener
Ernährung für die Kinder HIV-positiver Mütter
Sorge zu tragen; die Verfügbarkeit freiwilliger und
vertraulicher Beratung und Tests zu erhöhen, um die
Bereitstellung von Informationen und eine informierte
Entscheidungsfindung zu ermöglichen; und anzuerkennen,
daß, wenn Ersatznahrung akzeptabel, durchführbar,
bezahlbar, nachhaltig und sicher erscheint, der Verzicht
auf das Stillen durch HIV-positive Frauen empfohlen wird;
anderenfalls wird das ausschließliche Stillen während
der ersten Lebensmonate empfohlen; und daß diejenigen,
die andere Möglichkeiten wählen, darin bekräftigt
werden sollten, dieses frei von kommerziellen Einflüssen
zu tun;
(11)
alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen alle Frauen
vor dem Risiko einer HIV-Infektion zu schützen, insbesondere
während der Schwangerschaft und der Stillzeit;
(12)
ihre Informationssysteme zu stärken gemeinsam mit
ihren epidemiologischen Überwachungssystemen, um
das Ausmaß und die geographische Verteilung von
Fehlernährung in all ihren Formen sowie die ernährungsbedingten
Erkrankungen erfassen zu können;
-
ERSUCHT
die Generaldirektorin:
(1)
der Säuglings- und Kleinkindernährung im Hinblick
auf die Führerschaft der WHO in der öffentlichen
Gesundheit mehr Nachdruck zu verleihen, im Einklang mit
und geleitet von der Kinderrechtskonvention und weiteren
bedeutenden Menschenrechtsdokumenten, in Partnerschaft
mit ILO, FAO, UNICEF, UNFPA und weiteren kompetenten Organisationen
sowohl innerhalb als auch außerhalb des Systems
der Vereinten Nationen;
(2)
gemeinsam mit allen relevanten Bereichen der Gesellschaft
einen konstruktiven und transparenten Dialog einzuleiten
mit dem Ziel den Fortschritt in der Umsetzung des Internationalen
Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten
und nachfolgender relevanter Resolutionen der Weltgesundheitsversammlung,
in einem unabhängigen Verfahren und frei von kommerziellem
Einfluß, zu überwachen; und den Mitgliedsstaaten
Unterstützung in ihren Anstrengungen die Umsetzung
des Kodex zu überwachen zu gewähren;
(3)
den Mitgliedsstaaten Unterstützung bei der Bestimmung,
Umsetzung und Überprüfung neuer Ansätze
zur Verbesserung der Säuglings- und Kleinkindernährung
zur Verfügung zu stellen, mit der Betonung auf ausschließlichem
Stillen während der ersten sechs Monate als einer
weltweiten öffentlichen Gesundheitsempfehlung und
unter Berücksichtigung der Ergebnisse des WHO-Expertengespräches
über die optimale Dauer ausschließlichen Stillens
(Anmerkung
1), bei der Bereitstellung sicherer und angemessener
Ergänzungsnahrung unter fortgesetztem Stillen bis
zu zwei Jahren oder darüber hinaus, und bei gemeindebezogenen
und bereichsübergreifenden Aktivitäten;
(4)
das Schritt-für-Schritt länder- und regionsbezogene
Programm zur Entwicklung der neuen globalen Strategie
zur Säuglings- und Kleinkindernährung fortzuführen
unter Einbeziehung der internationalen gesundheits- und
entwicklungspolitischen Gemeinschaft, insbesondere UNICEF,
sowie weiteren Interessengruppen, soweit diese damit befaßt
sind;
(5)
weitere unabhängige Forschung zur Übertragung
von HIV durch das Stillen und weitere Maßnahmen
zur Verbesserung des Ernährungsstatus von bereits
durch HIV/AIDS infizierten Müttern und Kindern anzuregen
und zu unterstützen;
(6)
die globale Strategie dem Geschäftsführenden
Vorstand für seine 109. Sitzung im Januar 2002 sowie
der Fünfundfünfzigsten Weltgesundheitsversammlung
(Mai 2002) zur Beratung vorzulegen.
Anmerkung 1: Wie in den Beschlüssen und Empfehlungen
des Expertengespräches (Genf, 28. bis 30. März 2001)
formuliert, das die systematische Überprüfung der
optimalen Dauer ausschließlichen Stillens abschloß
(siehe Dokument A54/INF.DOC./4).
Das
obige Dokument kann zum einfachen Ausdrucken als pdf-Datei
in englisch, französisch und spanisch von der WHO-Webseite
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Zum
Öffnen der zwei Dokumente auf der WHO-Seite wird der
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